Wenn psychische Probleme auf den Magen schlagen

Bildquellenangabe: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

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Magen-Darm-Beschwerden zeigen sich in vielfältiger Weise und können unterschiedliche Ursachen haben. Oftmals sind bei Magen- oder Darmproblemen keine körperlichen Ursachen zu finden. Hinter Erkrankungen des Verdauungstrakts stecken häufig psychische Probleme, denn diese können auf den Magen schlagen.

 

Die Organsprache

Die sogenannte Organsprache gibt Aufschluss über den Zusammenhang zwischen Psyche und Körper. Jeder kennt solche Ausdrücke wie: „Das ist mir auf den Magen geschlagen“, „Ich fresse alles in mich hinein“, „Ich muss einfach zu viel schlucken“, „Das (Problem) kann ich nicht verdauen“, „Das ist mir sauer aufgestoßen“, „Ich habe eine enorme Wut im Bauch“ oder „Das liegt mir schwer im Magen“.

Viele Menschen reagieren auf Stress mit Durchfall. Anderen ist der Magen wie zugeschnürt, wenn sie sich in einer belastenden Situation befinden. Bei Stress übernimmt ein Teil des vegetativen Nervensystems die Kontrolle über Körperfunktionen: Der Sympathikus bereitet den Körper bei Herausforderungen auf Flucht oder Kampf vor. Dem Verdauungsprozess wird in stressigen Situationen viel Energie entzogen, um mit Kampf oder Flucht reagieren zu können. Zum Beispiel reduziert sich die Anzahl von Milchsäurebakterien, die jedoch für eine gesunde Verdauung bedeutend sind. Zudem spielt das enterische Nervensystem – das sogenannte Bauchhirn – eine wesentliche Rolle bei Verdauungsprozessen.

Gereiztes Bauchhirn

Als Bauchhirn wird das Nervensystem des Verdauungstraktes bezeichnet. Bei Angst oder Stress reagiert dieses Bauchhirn mit Störungen im Magen- und Darmbereich. Dazu gehören unter anderem Verstopfung, Durchfall, Schmerzen und besonders Reizmagen und Reizdarm. Dieses Nervensystem besteht aus über hundert Millionen Nervenzellen. Es sorgt für ein Gleichgewicht zwischen hemmenden und anregenden Sekreten, Hormonen und Botenstoffen, um den Speisebrei durch den Verdauungstrakt zu transportieren. In Stresssituationen kommt dieser Verdauungs- und Transportvorgang aus der Balance. Dann überwiegen entweder die anregenden Anteile, der Transport des Speisebreis geschieht zu schnell und das Resultat ist Durchfall. Sind die hemmenden Anteile in der Überzahl, stockt der Speisebreitransport und Verstopfung ist die Folge.

Zwischen enterischem Nervensystem und Gehirn besteht eine Verbindung. Das Bauchhirn verläuft zum Gefühlszentrum des Gehirns. Botenstoffe, die für Emotionen verantwortlich sind, werden nicht nur im Gehirn produziert, sondern ebenso im enterischen Nervensystem. Empfindet der Mensch Trauer, Angst, Stress oder andere belastenden Gefühle, kommuniziert das Bauchhirn mit dem Gehirn und die negativen Emotionen werden vom enterischen Nervensystem registriert. Die Reaktionen auf die negativen Signale können sich verselbstständigen und zu Magen-Darm-Krankheiten führen. Dies ist der Fall, wenn die negativen Gefühle zum Dauerzustand werden. Beispielsweise ist das Bauchhirn bei Reizmagen oder Reizdarm so übersensibel, dass es bereits auf ganz normale Reize überreagiert.

Hilfe bei psychosomatischen Krankheiten

Betroffene von psychosomatischen Erkrankungen haben meistens eine wahre Ärzteodyssee hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Konnte keine organische Ursache für das Leiden festgestellt werden, stecken häufig psychische Probleme hinter den Magen-Darm-Störungen. Besonders bei Reizmägen oder dem Reizdarm Syndrom sind häufig schwere psychische Belastungen die Auslöser für die körperlichen Probleme. Angst, Depressionen und Burn Out führen nicht selten zu Beschwerden des Verdauungstrakts.

Neben Medikamenten zur Symptomlinderung sollten Betroffene professionelle Hilfe in Form einer Therapie in Erwägung ziehen. Dort können die Ursachen für ein überreiztes Bauchhirn erforscht und verarbeitet werden. Zudem kann eine Art Tagebuch geführt werden, um zu ermitteln, in welchen Situationen die Magen-Darm-Probleme auftreten. Dementsprechend können Veränderungen in der Denkweise oder im Lebensstil vorgenommen werden.

 

Quellen:

http://www.zeit.de/2012/17/M-Darm/seite-3

http://www.magendarmgrippe.net

http://www.iaw.uni-bremen.de/ergo-time/psyche/2bpsy_tempo.htm

http://www.uniklinik-freiburg.de/iuk/live/Lehre/vorlesungen/NHKpsyche09.pdf

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